Antrag Mittagsbetreuung

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kiechle,


auf das Schreiben der Stadt Kempten vom 21.04.2015 zur Anmeldung für die Mittagsbetreuung für das Schuljahr 2015/2016, das mit dem Satz endet “Der Antrag ist bis 29.04.2015 in Ihrer Schule abzugeben. Ein nach diesem Termin eingehender Antrag auf Betreuung kann höchstwahrscheinlich nicht mehr berücksichtigt werden“ können Eltern eigentlich nur mit folgendem Brief antworten:

 

Sehr geehrte Verantwortliche der Stadt Kempten,

bitte geben Sie uns bis spätestens 28.04.2015 die genauen Stundenpläne all unserer Kinder für das Schuljahr 2015/2016 bekannt. Nach diesem Termin eingehende Stundenpläne können von unserer Familie leider höchstwahrscheinlich nicht mehr berücksichtigt werden.
Ach ja, und sorgen Sie bitte dafür, dass Kindergärten, Schulbus-Unternehmen, Musikschulen, Sportvereine, Großeltern, vor allem aber unsere Arbeitgeber uns gefälligst auch bis zu diesem Termin all ihre verbindlichen Planungen für das Jahr 2016 zukommen lassen. Denn sonst sehen wir uns leider nicht mehr in der Lage, Arbeit, Schule und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Ihre zwar belastbaren, aber nicht des Zauberns mächtigen Schülereltern

 

Selbstverständlich habe ich Verständnis dafür, dass ein ungefährer Überblick über den Bedarf an Mittagsbetreuung frühzeitig nötig ist, um den Personaleinsatz und Finanzierung planen und die Gruppen bei der Regierung von Schwaben beantragen zu können.

Aber es ist utopisch, von Eltern verbindlich zu verlangen, im April (noch dazu innerhalb einer Woche) festzulegen, wann im Herbst 2015 und im Jahr 2016 eine Mittagsbetreuung erforderlich ist.

Die Eltern wissen erst Mitte September, wann ihre Kinder Schulschluss haben, aber sollen heute schon wissen, wann infolge dessen eine Mittagsbetreuung nötig ist. Das hört sich wie ein Schildbürgerstreich an.

Sogar die Eltern der Kinder, die erst im Herbst eingeschult werden, bekommen das Antragsformular und müssen sich jetzt schon festlegen, da sie noch nicht einmal wissen, in welche Klasse ihre Kinder kommen, so dass Fahrgemeinschaften u.ä. noch gar nicht absehbar sind.

Zudem steht im April natürlich auch noch nicht fest klar, wann und wie oft die Kinder Nachmittagsunterricht und sonstige Nachmittagstermine wie Musikschule oder Sport haben.
Nicht zuletzt wissen Eltern jetzt natürlich noch nicht ihre Dienst-, Schicht- oder Einsatzpläne für den Herbst, geschweige denn für das Jahr 2016. Genau darauf aber kommt es beim Bedarf für Mittagsbetreuung an, zumal für Alleinerziehende oder wenn beide Elternteile berufstätig sind.

Eine Festlegung schon im vorangegangenen Schuljahr entspricht nicht heutiger Lebenswirklichkeit genau der Familien, die Bedarf für eine Mittagsbetreuung haben!

Wir, die politischen Entscheidungsträger der Stadt Kempten haben uns Kinder- und Familienfreundlichkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als vorrangige Handlungsfelder unserer strategischen Ziele gewählt. Aber Familienfreundlichkeit sieht anders aus!

Es kann von Eltern, die nicht Gefahr laufen wollen, an der Mittagsbetreuung nicht teilnehmen zu können, nicht verlangt werden, die Mittagsbetreuung zu einem so frühen Zeitpunkt ins Blaue hinein beantragen, zumal die Mittagsbetreuung ja von den Eltern bezahlt werden muss und auf Dauer nicht billig ist.

Diese Vorgehensweise ist auch ein Rückschritt zu dem Status bis vergangenes Schuljahr, als Schulen wie z.B. die Haubenschloßschule die Betreuung flexibel gehandhabt haben. Die Schulen selbst mit ihren vielen engagierten Mittagsbetreuer/-innen wären auch nach wie vor dazu in der Lage und bereit.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, ich beantrage, dafür Sorge zu tragen, dass Eltern bis zum Schuljahresbeginn ihren Bedarf an Mittagsbetreuung nur unverbindlich anmelden müssen und die verbindliche Anmeldung erst nach Bekanntgabe der Stundenpläne erfolgt.

Soweit für die derzeitige Handhabung Vorgaben der Regierung von Schwaben ursächlich sein sollten, wird auf diese Einfluss zu nehmen sein, damit auch der Freistaat Bayern seiner Verantwortung gegenüber den Familien gerecht wird und dessen Bekenntnis zur Familienfreundlichkeit kein bloßes Lippenbekenntnis ist.

Mit freundlichen Grüßen


Für die Fraktion der Freien Wähler-ÜP