12.03.2019
Kiechle, Klotz, Konsorten – politischer Aschermittwoch der Freien Wähler

Kempten – Zeit zum ‚Derblecka‘ isch, wenn‘s auf Aschermittwoch zugeht. Dann wird mit dem politischen Mitbewerbern abgerechnet. Seit 100 Jahren ist dies Tradition im Freistaat. Dem schließen sich seit Jahren auch die Freien Wähler in Kempten an. Da das Wirtshaus Meckatzer Bräu Engel noch auf einen Pächter wartet, veranstaltete man den Politischen Aschermittwoch heuer im Kolpingsaal.

Von Jörg Spielberg, erschienen im Kreisbote, Lokales, Kempten

Die 1. Vorsitzende Annette Hauser-Felberbaum begrüßte die rund 120 Gäste des Abends und erteilte der Kabarettistin und Kreisrätin Johanna Hofbauer als erste Rednerin das Wort. Die berichtete in Allgäuer Mundart von ihren Erfahrungen, wenn es mit dem Gatten zum Einkaufen auf „Kempta“ geht („Ä Hos muss net g‘falle, sie musch passe“), und stellte die Frage, warum eigentlich immer die Sau, respektive das weibliche Geschlecht, herhalten muss, wenn es um deutsche Wortschöpfungen wie „saudumm“ oder „versaubeuteln“ geht. Hofbauer mahnte hier humorvoll zur Gleichberechtigung.

Kabarett der Stadträte
Was sich bereits in den vergangenen Jahren bewährt hatte, wurde auch an diesem Abend geboten: das beliebte Kabarett der Stadträte. In einer ersten Runde beschäftigten sich die vier Stadträte Alexander Hold, Hans-Peter Hartmann, Sibylle Knott und Klaus Knoll mit lokalen Themen. Nicht ohne Stolz aber verwies das Quartett zuvor auf die Tatsache, den Koalitionspartner CSU in punkto Asylpolitik auf neuen Kurs gebracht zu haben. Bleiberecht für all diejenigen, die mitmachen, Abschiebung für die, die nicht mitmachen. Sodann legte man den Fokus auf lokale Themen. Derer gebe es viele, wenngleich „nicht allzu viel Bewegung im Spiel ist”, so die Meinung der vier Kommentatoren. So kämen immer mal wieder die Stadtbücherei, der Stadtpark, die Museen, die Dreifachturnhalle, das Berufschulzentrum und Altbekanntes aufs lokale Tableau, entschieden würde aber meistens nix. Dahinter vermuten die vier Stadträte einen genialen Plan: „Alles wird so lange geplant , bis es so teuer wird, dass man es nicht mehr realisiert.“ Nur beim Kornhaus habe man sich wohl verkalkuliert, sagt Alexander Hold. „Der neue Brandschutz sollte ja nur vier bis fünf Millionen kosten, jetzt werden es sicher 15 Millionen, weil Treppenhäuser, ein Aufzug und ein Vordach für die Damen im Abendkleid angedacht werden.“ Klaus Knoll ergänzt: „Man braucht zudem dort dreierlei Toiletten“, Sibylle Knott unterbricht und warnt vor politisch korrekt vermintem Gelände. Bei der Causa „Steigerung der Marktgebühren“ mutmaßt das Quartett über die Beweggründe des OB, sich auf die Seite der Händler geschlagen zu haben, und geht der Frage nach, warum die Angelegenheit nicht öffentlich verhandelt wurde. Vermutlich soll nicht jeder wissen, wieviel tatsächlich mit Weißwurst verdient wird. Amüsiert reüssiert das Quartett über die angekündigte Bewerbung von Katharina Schrader, SPD, auf das Amt der Oberbürgermeisterin, schließ- lich sei die SPD eine bedrohte Randgruppe. Stadtratskollege Thomas Hartmann habe in puncto „Rathaussturm“ mit drei Fehlschüssen ja bereits vorgelegt. Da bliebe nur die Frage, ob denn der amtierende OB es noch einmal wissen wolle? Hans-Peter Hartmann empfiehlt OB Kiechle, sich die Zustimmung zu einer erneuten Amtszeit bei den Freien Wählern einzuholen und nicht bei den Parteifreunden der CSU: „Der ist doch der OB der FW und dann erst der CSU.“ Nur bei Bürgerversammlungen hielte sich Kiechle nicht an das Gebot: „Man kann über alles reden, nur nicht länger als 30 Minuten.“ Über solche Monologe würden schon mal die Bürger ihre Fragen vergessen. Sein Fett weg bekommt auch noch Landrat Anton Klotz. Der habe sich doch so für das „Mittelzentrum Dietmannsdried“ ins Zeug gelegt, dass dieses neben Lidl, Aldi, Penny, Fristo und Feneberg nun auch noch ein 800 Quadratmeter Sport-Outlet erhalte. Allein das werde aus Toni Klotz posthum einen „Mini-Kaiser“ machen.

Derbe derbleckt
Damit nicht nur über die Allgäu-Metropole gesprochen wurde, hatten die Freien Wähler ihren Kreisrat Hugo Wirthensohn ans Mikrofon gebeten. Wirthensohns Ausführungen waren geprägt von Wortspielen. So sprach dieser von einer „K&K-Monarchie“ im Allgäu, „Kiechle und Klotz“. Beide würden ihn stark an das legendäre Filmduo Terence Hill und Bud Spencer erinnern, wenngleich beide auch dem Duo Stan & Ollie zu Ehre gereichen würden. Eine deutsche Übersetzung des Komikerduos wollte er aber aus Gründen der Höflichkeit nicht äußern. Als Kreisrat freue er sich über eine außerordentlich „erfolgreiche“ Wirtschaftspolitik der Stadt Kempten: „Es ist zum ‚Schießeln‘“. Dem ehemaligen Landrat Gebhard Kaiser attestiert Wirthensohn weiter große Einsatzbereitschaft für das Allgäu. Spräche Kaiser mit seinem Fahrer, hieße es so: „Fahre mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht.“ Zum aktuellen Landrat bringt der Kreisrat den Begriff „Ferien auf dem Bauernhof“ ins Spiel, vertiefen möge er diesen aber nicht. In einem zweiten Teil des Kabaretts der Stadträte zog es neben Alexander Hold und Sibylle Knott Hans-Peter Wegscheider und FW-Urgestein Dieter Zacherle in die Bütt. Das Quartett stellte die Frage, ob denn der Stadtpark bis zur Eröffnung der Festwoche fertig gestellt sein wird. Da alles im Verzuge sei, vermutet man, dass dann eben alles provisorisch asphaltiert wird, bevor es dann ohnenhin zugepflastert wird. Knott überlegt, ob das Areal dann weiterhin als Stadtpark bezeichnet werden könne, da es eigentlich zu einer „Zentralen Pflasterstelle mit Vegetationshintergrund“ mutiert. Am Ende spöttelt man über das „Weltrettungsgehabe“ der Grünen, mit ihrer Fraktionsvorsitzenden MdL Katharina Schulze, die mal eben zum Eisessen nach Kalifornien jettet und mit Einwegbecher und Plastiklöffel ein Selfie an die Daheimgebliebenen postet.
 

Bildunterschrift (im Uhrzeigersinn v.l.n.r.):  Gute Laune beim Politischen Aschermittwoch der Freien Wähler – es wurde viel gelacht. (v.l.) Stadtrat Dieter Zacherle, Peter Weber, Gebitesverkaufsleiter Meckatzer, Stadtrat und MdL Alexander Hold, Kemptens 2. Bürgermeisterin Sibylle Knott und die 1. Vorsitzende Annette Felberbaum.
Foto © Jörg Spielberg